Fussballkultur

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Nicht jeder Platzhirsch mag es, das eigene Revier mit einem Emporkömmling teilen zu müssen. Das wird sich auch der TSV 1860 München gedacht haben: Der Verein wurde im Jahre 1860 gegründet und erkämpfte sich gegenüber anderen Münchener Vereinen bis etwa 1910 die Vormachtstellung. Zu jener Zeit jedoch betrat immer häufiger der im Jahre 1900 gegründete Klub Bayern München die Rasenplätze. Ein weiterer Konkurrent für die Löwen stellte sich also ein – und dennoch war die Kluft zwischen beiden Vereinen denkbar groß. Eine Rivalität in diesem Sinne gab es daher zunächst nicht. Eher war das Verhältnis von gegenseitiger Nichtbeachtung geprägt.

Die politischen Jahre

FC Bayern - Logo

Das Logo des F.C. Bayern München

Bis etwa in die Mitte der 30er Jahre existierten beide Klubs sportlich nebeneinander und befanden sich schneller auf Augenhöhe, als das den Löwen liebsein konnte. Mit der Machtergreifung des rechten Lagers begann zudem die Zeit politischer Stellungnahmen: Galt 1860 als einer der wenigen Vorzeigeklubs, die sich offen zum NS-Regime bekannten und dessen Politik unterstützten, so galten die Bayern als „Judenverein“: Man nahm eine Vielzahl jüdischer Spieler und Funktionäre auf. Erstmals ergab sich eine tiefe Abneigung zwischen jenen beiden Spielvereinigungen, die sich in München über die letzten Jahrzehnte durchgesetzt hatten. Auch, wenn 1860 nach wie vor als sportlich besser galt.

Ankunft in der Bundesliga

TSV 1860 München - Logo

Das Emblem der „Löwen“, der Sechs’zger

So verwunderte es nicht, dass die Löwen im Jahre 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Liga zählten. Doch auch diesen Platz machten ihnen die Bayern alsbald streitig, als sie nur wenig später ebenfalls in das Oberhaus einzogen. Zudem wurden Letztgenannte nun von der Stadt bevorzugt: Während 1860 München in seinem kleinen Stadion blieb, bekam der Rivale anlässlich der 1972 ausgetragenen Olympischen Sommerspiele ein eigenes Rund. Die Konkurrenz verschärfte sich, die Bayern übernahmen die Vormachtstellung. Daran änderte sich natürlich auch nichts, als 1860 sportlich strauchelte, wogegen der mittlerweile erstarkte Nachbar nationale wie internationale Titel in Serie gewann.

Gegenwart und Zukunft
Das einst so heiß geliebte Duell ist mittlerweile keines mehr. Die Löwen sind in den Niederungen der Zweitklassigkeit angelangt, wogegen die Bayern sich als Rekordmeister Deutschlands etablieren konnten. Nur selten treffen die beiden heute also aufeinander – zumeist im Rahmen von Freundschaftsspielen. Die vor wenigen Jahren ausgetragene Debatte um den Stadionneubau, der von beiden Vereinen gemeinsam genutzt werden sollte, zeigt aber auch, dass noch immer unüberwindbare Risse zwischen den Klubs herrschen. Diese könnten erneut zum Ausbruch kommen, wenn 1860 München dereinst in die Erstklassigkeit aufsteigt und dort auf den jetzigen Platzhirsch trifft: Denn die Bayern sind der uneingeschränkte Taktgeber des deutschen Fußballs.